In diesen Corona-Zeiten auch noch einen Osterwitz von der virtuellen Kanzel ablassen? Ostern kommt, ob wir in den Gottesdienst gehen können oder nicht, ob wir Eier verstecken und suchen oder nicht. Denn es steht im (Kirchen-)Kalender, gehört in den Frühling und ist ein Fest des Lebens über, angesichts, vor, nach, inmitten, beim Tod. Und zwar ein Fest des leiblichen Lebens, denn anders leben wir ja gar nicht. Aber ach, da fehlt gerade so viel körperliche Nähe. Umarmungen, Küsse, Streicheln und noch so vieles Schöne mehr. Um diese auch sexuelle Leiblichkeit ging es früher beim Ostergelächter, ausgelöst durch derbe und auch unflätige, obszöne Possen. Im Humorladen hier gibt es dazu noch mehr zu lesen und auch einige Osterwitze. Doch in diesem Jahr an Ostern? Unsere Körper sind so verletzlich und gefährdet, wie sehr einem das jetzt bewusst wird! Aber so oder so, es sind unsere Körper. Daran erinnert mich Ostern und damit an das Besondere jedes Lebens, an Lebenskräfte, die so oder so spürbar sind. Dann werden wir halt in Corona-Zeiten noch ein bisschen erfinderischer beim Suchen von allerlei Möglichkeiten, wie wir unser Leben schützen können und wie wir uns des leiblichen Lebens freuen können. Ausgerechnet Anfang März, als wir fast alle schon ahnten, was auf uns zukommt, bekam ich eine Spruchpostkarte geschenkt. Ich schlucke, wenn ich jetzt den ersten Satz lese. Gemeint ist natürlich nicht genau die jetzige Situation, sondern das Leben schlechthin! Passen tut es trotzdem sehr gut, wie ich finde, wenn es auch ein bisschen zu "bürgerlich" und "wohlständig" klingt. Keiner von uns kommt lebend hier raus.Also hört auf, euch wie ein Andenken zu behandeln.Esst leckeres Essen.Spaziert in der Sonne.Springt ins Meer.Sagt die Wahrheit undtragt euer Herz auf der Zunge.Seid albern.Seid freundlich.Seid komisch.Für nichts anderes ist Zeit. (Quelle: Unbekannt) In einem der wunderbaren Comics von den Peanuts finde ich auch einen Hinweis zur Feier des Lebens. Charlie Brown und sein Hund Snoopy sitzen an einem Steg mit Blick auf den See, man sieht sie nur von hinten und liest ihre Gedanken, mit denen die beiden sie sich ja wunderbar verständigen können .Charlie: "Eines Tages werden wir alle sterben, Snoopy!Dieser: "Stimmt, aber an allen anderen Tagen nicht."Martin Luther konnte den Tod so wunderbar verspotten und damit - so interpretiere ich das - das jetzige ewige Leben feiern: Friss, todt, frisse, du solt mich, ob got wil, wider speien, und ich wil dir so ein gerumpel im bauch anrichten, das du nit solt wissen, wo di bleyben solst. (Weimarer Ausgabe 45,20; hier zitiert nach Charles Campbell und Johan Cilliers: Was die Welt zum Narren Hält. Predigt als Torheit. Leipzig 2015, 212) Und in einem jüdischen Witz ist das Paradoxe mal wieder so wunderbar auf den Punkt gebracht: Ein Schüler geht zu seinem Rabbi und eröffnet ihm:" Ich habe nachgedacht und eine Entscheidung gefällt. Ich habe beschlossen zu sterben.""Das ist keine gute Lösung", sagt der Rabbi zu ihm.Der Mann geht fort und kommt nach einer Woche wieder: "Du hattest Recht. Ich habe nachgedacht und beschlossen zu leben.""Das ist keine Lösung", sagt der Rabbi zu ihm."Aber du hast mir dich gesagt, dass Sterben keine Lösung sei! Und jetzt sagst du, Leben sei keine Lösung?""Du glaubst also, es gibt eine Lösung?" sagt der Rabbi zu ihm.Und bald: Schöne Ostern!
