"Aufmunterung in schweren Zeiten: Am vergangenen Sonntag feierten die beiden Kirchenclowninnen Lotta Lebensfroh und Fidelia in der Kirche St. Johannes in Buchs ihre Premiere als komische Interpreten der liturgischen Texte. (...)
Neues finden im alten Wasser
Der 15. März 2020 war der letzte Sonntag, der nach dem gewohnten Gottesdienstplan stattfand. Aber das wusste noch niemand, der an diesem Sonntagvormittag gespannt im Kirchenbank sass und auf den angekündigten Wortgottesdienst mit Clownerien wartete. Ja, die Coronabedrohung war in aller Munde, die Weihwasserbecken gelehrt, die Menschen mit mehr als dem gebotenen Abstand voneinander über die Kirchenbänke verteilt. Pfarreiseelsorgerin Veronika Scozzafava wies in ihrer Eröffnung darauf hin, dass sich die Gläubigen in dieser Feier an den Rand des Jakobsbrunnens setzten, um Neues zu finden im alten Wasser.
Zwei auffällig gekleidete Frauen betraten darauf hin den Raum. Veronika Scozzafava hatte sie angekündigt. Sie heissen Lotta Lebensfroh und Fidelia. Beide trugen eine leuchtend rote Nase. Die eine wirkte sehr fröhlich und munter, die andere machte einen eher unwilligen und müden Eindruck. Sie richteten sich vor dem Altar ein, packten ihren Reiseproviant aus und verpflegten sich. Jede schien interessiert an der Labung der anderen, aber keine lies die andere auch nur probieren. Es kam zum Streit und im so zur Schau gestellten Unfrieden verschwanden die beiden wieder. Die Kinder im Publikum grinsten. Sie wussten genau, was da gerade gezeigt wurde.
Sie erteilten zu dritt den Segen
Gut abgesprochen und fein aufeinander abgestimmt, wechselten sich im Folgenden die Worte der Zelebrantin mit den gespielten Szenen der beiden Clowninnen ab. Dazwischen sang und betete die Gemeinde wie in jedem Gottesdienst miteinander. Die Lesung aus dem Buch Exodus, wo das Volk Israel gegen Mose murrt, weil es in der Wüste Hunger und Durst leiden muss, gestaltetenLotta Lebensfroh und Fidelia so packend und amüsant, dass das Gefühlsbarometer abwechselnd auf Lachen und Magenknurren zeigte. Am Ende des Gottesdienstes stand die Seelsorgerin, flankiert von den beiden breit strahlenden Clowninnen, am Altar und erteilte der Gemeinde den Segen. Dieses Bild prägte sich ein, es zauberte einem ein Lächeln ins Gesicht und man verliess die Kirche mit dem beruhigenden Gefühl, dass alles wieder gut wird.
Lockerheit, trotz schwerer Zeit
Hinten in der Sakristei besprachen Gudrun Schröder (Fidelia) und Andrea Moser (Lotta Lebensfroh) mit Veronika Scozzafava ihren gemeinsamen Auftritt. «Ich bin begeistert», meinte die Seelsorgerin. «Ich habe während der Darbietungen der Clowninnen in die Gesichter der Leute geschaut. Sie sahen alle zufrieden aus.» Es sei für sie beeindruckend gewesen, welche Lockerheit die beiden Frauen verbreitet hätten – trotz dieser schweren Zeit. (...)
«Ein Clown darf grundsätzlich alles»
Für die beiden Clowninnen war das auf jeden Fall eine gelungene Premiere. Im vergangenen November habe sie ihren Lehrgang «Clownerie in der Kirche und auf der Bühne des Lebens» bei Gisela Gisela Matthiae in Salzburg abgeschlossen. Nun sind sie bereit, wo immer das gewünscht wird, Messfeiern, Gottesdienste, Religionsunterrichte, Bibelgruppen und viele andere kirchliche Veranstaltungen durch ihren Humor und ihren theologischen Hintergrund zu bereichern. Andrea Moser ist Religionspädagogin, Gudrun Schröder Katechetin (...)" Alle Fotos © Roger Wehrli
