Ein neues Jahr, der Zahl nach. Und was wollen wir, will ich, willst Du, wollen Sie damit anfangen? So frisch und munter wie in anderen Jahren sind wir ja nicht über die Schwelle gehüpft. Laut schon gleich gar nicht, auch wenn mein Nachbar ausgelassen zu unseren übermütig von Balkon zu Balkon zugerufenen Glückwünschen mit einem Kochlöffel auf den Topf trommelte. Die Stimmung war gut und seltsam, trotz des Abstands fast ein bisschen verbundener als sonst. Aber was nun damit anfangen? Oder überhaupt was anfangen?

Eigentlich ändert sich ja erst einmal nichts. Es ist weiterhin lockdown. Und es geht nicht einfach wieder, wie vermutlich die Jahre davor, um persönliche Vorhaben oder Pläne, die man haben kann oder auch nicht. Und bestimmt ging es auch nie nur darum, fühlte sich aber vielleicht so an. Für sehr viele jedenfalls, die keine größeren existentiellen Sorgen hatten. Jetzt geht es darum, andere und sich selbst nicht anzustecken. Es geht darum, geeignete Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu finden und zu befolgen. Es geht ums Impfen, wann und bis wann für alle, die wollen. Bei all dem geht es um Grundrechte, die gerade jetzt, wo sie teilweise eingeschränkt werden, besonders deutlich und vermisst werden. Das Wort Solidarität gibt es wieder, weil den meisten klar ist, dass die Infektionsgefahr erst vorbei ist, wenn sie für alle vorbei ist. Und alle, das sind alle, global zu sehen, vor und hinter den Mauern Europas.

Wenn ich es recht mitkriege, wollen die meisten gar nicht so viel Neues im Neuen Jahr. Nicht noch was zu all dem packen, was man eh schon gemacht hat, noch ein bisschen mehr und weiter und toller. Nein, eher weniger, weniger und anderes. Wie gut, dass der Fluglärm nachgelassen hat, dass ich weniger umherfahre, dass ich die Wälder in meiner unmittelbaren Umgebung besser kennen lerne. Naja, dafür läuft der Rechner mehr, der Backofen und die Waschmaschine. Aber bloß nicht zurück zu so einer alten Normalität, die dann neu aufgeplustert wird.

Was also anfangen mit diesem neuen Jahr? Nun, es ist halt mal da, sage ich mir mit humorvollem Augenzwinkern. So wie Humor genau dann gefragt ist, wenn es gar nicht lustig zugeht, so eben auch jetzt. Humor zeichnet sich aus durch eine Lust am Improvisieren, Ausprobieren, Phantasieren. Das ist mehr als die Anpassung an die gegebene Situation. Das sind bunte Masken und Spaziergänge mit Menschen, mit denen man ansonsten nur stundenlang am Tisch gesessen hat. Das sind kleine kreative Einfälle, wie Nähe möglich ist ohne anfassen. Das ist eine Wachsamkeit gegenüber allen, die nur empört sind und irgendwelche Schuldigen erfinden. Humor hat was gegen einfache und totale Lösungen. Humor schafft immer ein bisschen Spielraum, egal wie eng es ist.

Die Heizung funktioniert, die Sterne hängen noch in den Fenstern, Telefone verbinden auch mit einem Menschen hinter der Krankenhausmauer. Etwas heilt, etwas schmeckt lecker, etwas klingt wunderschön.